Bei der Senioren-Mannschaftsmeisterschaft in Bad Soden-Salmünster geht Württemberg bei der Ü50 als Favorit ins Turnier. Und nimmt die Sache sehr ernst.

Natürlich wollen sie wieder ihren Titel verteidigen. Dreimal haben sie ihn mit stets nahezu identischer Aufstellung schon geholt bei der Senioren-Mannschaftsmeisterschaft Ü50 der Landesverbände. 2022, 2023 und jetzt 2026 in Bad Soden-Salmünster. Hier findet vom 14. bis 20 September die 34. Auflage der Titelkämpfe statt. „Wir spielen immer mit dem gleichen Team. Und das aus gutem Grund“, sagt Mario Born vom SC Böblingen 1975, „wir haben einen wunderbaren Teamgeist, verstehen uns gut – und sitzen deshalb abends immer noch gemütlich zusammen.“ Was sich nun anhört wie ein Altherren-Ausflug, ist bei weitem mehr: Denn nach dem Abendessen gehen sie alle noch an ihre Laptops – zwecks Spielvorbereitung. Und Mario Born telefoniert sogar noch mit seinem Trainer, um sich optimal auf den Gegner am nächsten Tag einstellen zu können. Sagen wir es so: Beim Team Württemberg scheint es der perfekte Mix zu sein zwischen Lockerheit und professioneller Vorbereitung.

Das 2025-er Siegerteam v.l. Mario Born, Markus Kottke, Thomas Müller (Seniorenreferent), Ralf Müller und Thomas Brückner

Württemberg geht mit einem Eloschnitt von 2205 Punkten als Favorit ins Turnier, FM Ralf Müller (2313 Elo) an Brett eins ist sogar der nominell stärkste Spieler der Meisterschaften.  FM Christian Beyer (2186), FM Thomas Brückner (2278), Markus Kottke (2181) und Mario Born (2065) sind die weiteren Teammitglieder. „Von der Spielstärke her gäbe es sicher bessere Leute als mich“, sagt Mario Born ganz bescheiden, „aber wir wollen als Team halt zusammenbleiben.“ Und die Erfolgsgeschichte weiterschreiben. Dabei achten sie darauf, dass über die Rotation jeder seine sechs Partien (bei sieben Runden) bekommt. Und einen Ruhetag. Born gilt hierbei durchaus als Punktelieferant für das württembergische Ensemble. Im vergangenen Jahr holte er vier aus sechs.
Mario Born? Da klingelt es bei vielen. Seit 42 Jahren ist er der Turnierorganisator des Böblinger Open – jenem renommierten internationalen Turnier, das auch in diesem Jahr wieder zum Jahresende (26. bis 30. Dezember) stattfindet. Borns Herzensprojekt, in das er viel Zeit steckt. „Allein der Mailverkehr ist schon gigantisch“, sagt er im Gespräch mit Matthias Wolf von svw.info, „es frisst viel Zeit, macht aber auch Spaß.“

Aber Mario Born sorgte zuletzt auch anderweitig für Schlagzeilen. Im vergangenen Jahr gewann er die Deutsche Meisterschaft der Schachspieler mit Behinderung – mit einer sagenhaften Elo-Performance von rund 300 über seiner Wertung und 6,5 Punkten aus sieben Partien. Mancher fragte sich, warum er in diesem Jahr in Dresden nicht zur Titelverteidigung antreten durfte. Der Grund ist ein sehr schöner: Galt Born 2025 aufgrund seiner Krebserkrankung laut Reglement noch als schwerbehindert, so bekam der 63-Jährige in diesem Jahr die Diagnose: geheilt. Aufgrund seines Titelgewinns im vergangenen Jahr, errungen im Rahmen des Inklusionsfestivals in Ruit, durfte er aber beim Kandidatenturnier der Deutschen Meisterschaften in Dresden mitspielen: „Also ich will ehrlich sein: In diesem starken Teilnehmerfeld hatte ich eigentlich nichts verloren.“ Mit drei Remis aus neun Runden blieb ihm letztlich nur Rang 36. Eine schöne Erfahrung sei es trotzdem gewesen, sagt er, und schwärmt vom Ambiente rund um den Schachgipfel.

Mario Born 2025 bei der entscheidenden Partie gegen IM Salov (remis)

Aber auch Bad Soden habe seine Reize. Bei aller Ernsthaftigkeit: Es soll auch Zeit bleiben für einen Besuch in der Therme, ein bisschen Urlaubsfeeling, betont Mario Born: „Aber natürlich wollen wir vor allem unserer Favoritenrolle gerecht werden.“

Insgesamt treffen im Spessart-Forum Sport 19 Mannschaften aus 13 Landesverbänden aufeinander. Ausrichter ist der Deutsche Schachbund, die Turnierleitung liegt bei DSB-Seniorenreferent Wolfgang Cleve-Prinz, als Schiedsrichter fungiert ISR Ralph Alt. Die Bedenkzeit beträgt 90 Minuten für 40 Züge, danach 30 Minuten Zuschlag, dazu 30 Sekunden Inkrement pro Zug. 30 Bretter werden live übertragen.

In der Gruppe 50+ sind acht Landesverbände gemeldet: Württemberg sowie Baden, Rheinland-Pfalz, Thüringen, Bremen, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.
Deutlich größer ist das Feld in der Altersklasse 65+. Hier gehen Titelverteidiger Baden, Bayern I und II, Brandenburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Württemberg an den Start.

Unser SVW-Team (letzter Titelgewinn 2022) holte im vergangenen Jahr nur aufgrund der schlechteren Brettpunktwertung nicht den Titel, denn nach sieben Runden waren Baden, Bayern und Württemberg jeweils mit elf Zählern punktgleich. Württemberg (Eloschnitt 2147) geht in diesem Jahr mit Rolf Fritsch (2180), Dieter Migl (2143), IM Josef Jurek (2154) und FM Andreas Carstens (2109) an den Start. (mw)