Nur eine Niederlage, 92 Elo-Punkte gewonnen: Die neue Württembergische Titelträgerin ist erst 18 Jahre alt, aber längst sehr erfolgreich im Erwachsenenbereich angekommen. Das zeigte sie jetzt bei der IODFEM, aber auch schon in der Oberliga Baden-Württemberg.
Die Schwäbische Zeitung brachte es vor kurzem so auf den Punkt: „Von Ana-Maria (18) wird man in Zukunft noch öfter hören. Junges Schachtalent vor dem nächsten Schritt.“ Das war vor den Württembergischen Meisterschaften am vergangenen Wochenende in Ruit. Der Artikel entstand auch und vor allem mit Blick auf Ana-Maria Bursans dritten Platz zuletzt bei den Deutschen Jugendmeisterschaften (U18) in Willingen. Nun hat sie den nächsten Schritt tatsächlich gemacht – und wie. Ein Riesenschritt war das. Nur eine Niederlage erlitt sie bei der Internationalen Offenen Deutschen Frauen-Einzelmeisterschaft (IODFEM) – gegen die Turniersiegerin WGM Ilze Berzina aus Lettland, die 7,5 Punkte holte. Weil Ana-Maria Bursan selbst 5,5 Zähler erreichte und mit Platz sechs die beste Württembergerin war, sicherte sie sich den Landesmeister-Titel – und die Qualifikation für das DSB-Kandidatinnen-Turnier im kommenden Sommer in Stuttgart. Ein Heimspiel. „Ja“, sagt Ana-Marie Bursan, die in diesem Jahr in Dresden von ihrem Abschneiden beim Kandidatinnen-Turnier (Platz 19) enttäuscht war, „das wird bestimmt eine schöne Sache. Da kann ich den Eindruck von Dresden korrigieren.“ Pause. „Mit meinem Abschneiden in Ruit bin ich relativ zufrieden.“
Relativ zufrieden? „Ja, ich stand zweimal gegen eine WIM auf Gewinn – und habe es leider nicht nach Hause gebracht.“ Matthias Wolf trifft im Gespräch für svw.info auf eine sehr sachliche, aber auch selbstbewusste junge Frau. Nach dem Titelgewinn ging sie abends noch mit der Familie essen – nicht, weil euphorisch gefeiert wurde, sondern weil sich gefühlt ein Kreis geschlossen habe, sagt Ana-Maria Bursan. Im vergangenen Jahr hatte sie nur aufgrund der Buchholz-Wertung den großen Wurf in Ruit hauchdünn verpasst. „Es hat schon gutgetan, dass es in diesem Jahr geklappt hat. Ich habe das als beruhigend und auch erleichternd empfunden“, sagt sie. Ein Plus von 92 Elo-Punkten zeigt, wie stark dieses Turnier besetzt war. Vor ihr rangierten im Klassement nur Titelträgerinnen. Das spornt an. „Natürlich möchte ich jetzt auch irgendwann die ersten Normen schaffen. Andere in meinem Alter sind schon FM.“
Viele Ziele hat sie schon erreicht. Wichtig war zweifellos der Gewinn des Dähne-Pokals 2025 in Riedlingen, wo auch einem Vertreter der TG Biberach 1847 ihre Leistung aufgefallen ist. Schwupps wurde sie für das Team der TG Biberach verpflichtet – in der Oberliga Baden-Württemberg. Zwar gelang letztlich der Klassenerhalt nicht, und sie selbst hatte sich auch mehr als zwei Punkte aus neun Partien erhofft – aber sie habe sehr viel gelernt. Eines habe sie als junge Frau in einer männlichen Domäne besonders beeindruckt: „Die meisten Männer gehen anders an die Partien ran“, sagt die Gymnasiastin aus Ertingen. Wie? „Dynamischer. Das hat mir sehr gefallen.“
Mit sieben Jahren saß sie zum ersten Mal am Schachbrett. Normalerweise lernen Kinder das Spiel von ihren Eltern oder Geschwistern – in diesem Fall war es anders herum. Sie hat ihren Vater und ihren kleinen Bruder in die Finessen des Schachsports eingewiesen. Schnell habe sie selbst nach dem Besuch der Schach-AG an der Grundschule gemerkt: „Das ist mein Ding.“ Zuvor hatte sie die Häkel-AG, Schwimmen und die Klavier-AG ausprobiert – das war alles nicht ihr Ding, um im Sprachgebrauch zu bleiben. Schnell stellten sich die ersten Erfolge ein: Dreimal konnte sie bei der Deutschen Jugendmeisterschaft Titel gewinnen. Ihre große Stärke: Kreativität, Biss, Hartnäckigkeit. Schon im ersten Verein, bei den Schachfreunden Ertingen-Bad Buchau, kämpfte sie sich als einzige Spielerin im Verein bis in die erste Mannschaft. Und im vergangenen Jahr hat sie sogar eine eigene Schach-AG in Ertingen ins Leben gerufen. Eine weitere soll folgen. Ja, Schach ist wirklich ihr Ding.
Am liebsten, daraus macht sie keinen Hehl, würde sie im kommenden Jahr nach dem Abitur ein Schachjahr einlegen. Geld mit ihrem Sport verdienen. „Das wäre mein Traum. Aber ich bin Realistin und weiß, dass das sehr schwer ist“, sagt Ana-Maria. Also wird es wohl auf ein Studium hinauslaufen. Lehramt womöglich, vielleicht auch was mit Wirtschaft – da ist sie sich noch unschlüssig. Zeit für Schach wird sie sich weiter nehmen. Wenn sie ihre Ziele erreichen wolle, betont sie, „dann muss ich auch weiterhin täglich was machen“, so Ana-Maria Bursan: „Ich werde versuchen, dranzubleiben.“ Nächster Beweistermin: Die Jugend-EM ab 2. November auf Kreta. (mw)