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Erstes gemeinsamen Großereignis eines Giganten? Schachgipfel soll 2027 in Stuttgart stattfinden – wenn die Finanzierung klappt.

DSB-Bundeskongress befürwortet die Bewerbung der Verbände Württemberg und Baden, die 2027 fusionieren wollen. Die endgültige Entscheidung fällt im Herbst. Die Finals in Stuttgart wären parallel. „Eine Riesenchance für den Schachsport als Demonstrationswettbewerb.“
 
Es war nur einer von vielen Anträgen beim außerordentlichen Bundeskongress des Deutschen Schachbundes am Wochenende in Frankfurt – aber für den Schachverband Württemberg hatte er eine besondere Bedeutung, sagt SVW-Präsident Carsten Karthaus im Gespräch mit svw.info: „Wir haben das klare Signal, den Auftrag, bekommen, dass wir weitermachen sollen. Und das hat uns sehr gefreut.“ Wir – das sind der SVW und der Badische Schachverband (BSV), der mit seinem Präsidenten Christoph Mährlein in Frankfurt vor Ort war. Beide Verbände haben sich um den Schachgipfel 2027 beworben. Austragungsort von einem Dutzend nationaler Titelkämpfe wäre Stuttgart, in erster Linie die Alte Reithalle als Haupt-Spielstätte. Aber das eine oder andere Deutsche-Meisterschafts-Turnier würde wohl auch im Maritim-Hotel stattfinden, das mit seinen 555 Zimmern zudem offizielles Turnierhotel wäre. Die Endrunde der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft (DSAM) könnte  in der Liederhalle stattfinden. Termin für den Gipfel wäre der 23. Juli bis 1. August 2027.

alte Reithalle - Außenansicht, (c) Stephan Klage - Eigenes Werk, Wikimedia Commons

Nein, es wäre nicht einfach nur ein Schachgipfel, sondern dieser Gipfel (inklusive Festakt) fände im Jubiläumsjahr des Deutschen Schachbundes statt. 150 Jahre alt wird der DSB. Mögliche Mitbewerber um den Gipfel wie Leipzig (DSB-Gründungsort) und Berlin (Sitz des Schachbundes) überließen beim Bundeskongress den Bewerbern SVW und BSV bereitwillig das Feld – garniert mit Vorschusslorbeeren. Karthaus und sein Team hätten bereits „sehr viel Blut, Schweiß und Tränen“ eingebracht und überzeugend einen möglichen Gipfel aufgezeichnet, sagte zum Beispiel der Berliner Verbandspräsident Kevin Högy.
Nun ging es also um ein Votum. Das sei auch deshalb wichtig, „weil wir in die Gespräche mit möglichen Sponsoren und Unterstützern gehen müssen“, so Mährlein. Sehr überzeugend (so überzeugend, dass die Abstimmung per Akklamation einstimmig ausfiel) war für die DSB-Delegierten aus dem Mitgliedverbänden letztlich die Online-Präsentation von Carsten Karthaus, der einen  Imagefilme der Stadt  Stuttgart einspielte, Motto: „Wo heute das morgen beginnt.“ Dieser Slogan, so Karthaus, "passt wunderbar zu dem, was wir für 2027 vorhaben“. Denn 2027, wenn auch das Land Baden-Württemberg seinen 75. Gründungstag feiert, soll das Jahr der Fusion beider Schach-Landesverbände werden. Der Gipfel wäre das erste gemeinsame Großereignis eines Giganten.
Der neue Verband Baden-Württemberg wäre dann im DSB ein echtes Schwergewicht mit rund 19.000 Mitgliedern und über 400 Vereinen. Karthaus stellte heraus, wie nachhaltig, vor allem im Bereich Nachwuchsarbeit, diese Vereine bereits jetzt  arbeiten würden: „Wir sind fest in der Gesellschaft verankert und vertreten wichtige Werte.“ Als Beispiel nannte er die N!Charta Sport des Landes Baden-Württemberg, der sich der SVW mit eigenen Projekten angeschlossen hat. Der Gipfel, so der SVW-Präsident, wäre „eine tolle Gelegenheit, die Bedeutung des Schachsports in Baden und Württemberg zu unterstreichen, unser aller Engagement hervorzuheben“.
Zumal: 2027 ist auch das Jahr, in dem die Finals in Stuttgart stattfinden, vom 29. Juli bis 1. August. „Eine herausragende Veranstaltung, in die wir uns integrieren können“, so Karthaus. 16 Deutsche Meisterschaften an neun Orten, von etablierten Sportstätten wie der Porsche-Arena bis zu urbanen Locations wie Schloss-, Marktplatz und Neckar. Viele Wettbewerbe werden live im Fernsehen übertragen – und in den Gesprächen mit der Finals GmbH gab es die Zusage, dass Schach als Demonstrationswettbewerb mitwirken könnte. „Eine Riesenchance für unseren Sport“ sei das, sagte auch der neue DSB-Präsident Paul Meyer-Dunker. Ein wenig Glanz der anderen Sportarten wie Gerätturnen, Rhythmische Sportgymnastik, Schwimmen, Speed-Klettern oder 3x3 Basketball könnte auch auf den Schachsport abfallen. Selbst wenn die Übertragungswagen natürlich nicht permanent aus dem Turniersaal berichten würden, würde man dennoch gesehen, sind sich Karthaus, Mährlein und Meyer-Dunker sicher. Man sei dann „Teil des Events und der Kommunikation“, so Karthaus.

Reithalle mit Kongressbestuhlung, (c) Matzmaen - Eigenes Werk, Wikimedia Commons

Wie geht es nun weiter? Das Präsidium des DSB wurde beauftragt, mit dem SVW und BSV einen möglichen Ausrichtervertrag auszuarbeiten. Der Etat für den Gipfel wurde von Karthaus und dem SVW-Finanzteam auf rund 350.000 Euro beziffert. Hier gilt es nun erstmal, soweit noch nicht geschehen: Konditionen aushandeln, Geld einsammeln. Erste Zuschussgespräche laufen bereits auf regionaler Ebene und Landesebene. „Alles in allem aber, so ehrlich muss man sein, ist die Finanzierung noch unklar. Und das große finanzielle Risiko läge natürlich voll beim DSB“, sagt Karthaus, „weshalb wir verstehen, dass genau geprüft werden  wird, was wir vorstellen.“
Heißt: Im Herbst bei einem möglichen weiteren Bundeskongress (oder Hauptausschuss) würden die beiden Landesverbände Bericht erstatten – und dann der endgültige Zuschlag erteilt, oder im Zweifel die Notbremse gezogen. Der Bundeskongress war sich aber einig, dass die erste Vorarbeit aus Württemberg und Baden sehr vielversprechend sei. Karthaus betont: „Wir wollen alles tun, dass dieses für unsere beiden Landesverbände historische Event auch klappt - und ein Erfolg wird.“ (mw)

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