„Eine große Ehre.“ Fabian Bänziger vom württembergischen Zweitligisten spielt bei der Olympiade in Usbekistan mit. svw.info wollte wissen, wie es ihm dort ergeht. 

Derzeit läuft die Schach-Olympiade in Samarkand. Die Daumen werden mit Blick nach Uskebistan auch beim Heilbronner SV gedrückt – nicht nur für das deutsche Team, sondern auch für die Schweiz. Denn beim Zweitliga-Aufsteiger hat sich seit einigen Jahren eine feste Schweizer Fraktion etabliert. Einer der Heilbronner Eidgenossen sitzt in Samarkand für sein Land am Brett: Der 23-jährige IM Fabian Bänziger.  
2022, erzählt Spielleiter Enis Zuferi, als der Heilbronner SV schon einmal in die zweite Bundesliga aufgestiegen ist, habe er seinem Vereinsmitglied und Kaderspieler Nikolas Schenk-Pogan einen Auftrag erteilt. Der wohnte damals in der Schweiz und sollte junge Spieler anwerben. Theo Stijve, Noah Fecker und Fabian Bänziger, die sich auch allesamt untereinander gut kennen, gingen auf das Angebot ein. So hat nun also auch Württemberg einen Mann in Samarkand! Matthias Wolf nahm für svw.info Kontakt mit ihm auf. Er erlebte einen Nationalspieler, der betont, dass es „eine große Ehre“ für ihn sei, sein Land auf der größtmöglichen internationalen Bühne zu vertreten. Einer, der aber auch immer mit dem Herzen in Heilbronn ist – selbst, wenn er gerade die Atmosphäre in Asien aufsaugt.
„Man merkt ziemlich gut, dass Schach hier einen anderen Stellenwert hat als zum Beispiel bei uns in Europa“, betont Fabian Bänziger nach dem gelungenen Turnierauftakt. Das sei auch schon bei der Olympiade 2022 in Chennai (Indien) zu sehen gewesen, als er als frisch gebackener Schweizer Meister auch schon mit dabei war. „Es ist natürlich immer schön neue Personen aus verschiedenen Ländern und Kulturen kennen zu lernen“, so Bänziger, „deshalb freut es mich natürlich wenn ich mich nach der Partie mit meinen Gegnern kurz unterhalten kann.“ Auch die Spielbedingungen seien „wirklich top – und dass spornt einen natürlich zusätzlich an“.

Fabian Bänziger 2024 in Apolda © Frank Hoppe, DSB

Die Stadt, einst Mittelpunkt der Seidenstraße, ist voller Geschichte. Er wolle, so Bänziger, am Ruhetag auch mal einige der vielen Sehenswürdigkeiten erleben. Bis jetzt sei er noch nicht dazu gekommen. Das wundert seine Schachfreunde in Heilbronn nicht. Fabian Bänziger gilt als sehr gewissenhaft und fleißig bei der Vorbereitung auf seine Partien. Vier bis sechs Stunden Training täglich sind bei ihm die Regel.

Davon profitiert auch sein Verein. In der vergangenen Aufstiegssaison in der Oberliga Baden-Württemberg holte er 5,5 Punkte aus neun Partien – nur eine Niederlage am ersten Brett der Heilbronner. Teamkollege Enis Zuferi beschreibt Fabian Bänziger als „kalkuliert und kontrolliert“, das bedeute aber keineswegs, dass er „unsozial oder kühl“ sei – im Gegenteil: „Er ist voller Empathie und identifiziert sich mit den Werten, die wir im Heilbronner SV vertreten. Wegen der Distanz erfolgt die Integration weitestgehend über seine Teilhabe in unserer ersten Mannschaft. Er priorisiert diese aber auch entsprechend - es gibt fast kein Event, das er über die Spieltage des Heilbronner SV stellt.“ 2426-Elo-Mann Bänziger unterstütze auch andere Spieler des Vereins, zum Beispiel als Online-Trainingspartner oder beim Teilen von Material.

„Der Schachverein Heilbronn hat für mich persönlich einen hohen Stellenwert, weil ich mich hier sehr wohl fühle und es wirklich viel Spaß macht mit meinen Mannschaftskameraden zusammen zuspielen“, so Bänziger: „Ich finde die Jugendförderung des Vereins wirklich beeindruckend, dies spiegelt sich natürlich auch in unserer ersten Mannschaft mit Spielern wie Simon Degenhard, Richard Walter Enis Zuferi und früher Philipp Wenninger wider.“ Er und seiner Schweizer Freunde seien sofort herzlich in die Mannschaft sowie den Verein aufgenommen worden: „Ich denke, der Teamspirit ist bestimmt auch ein Teil unseres Erfolgs.“

Apropos Erfolg. Der Mann aus der Gemeinde Freienbach ist noch sehr jung – und hat natürlich noch große Ziele. Der zweimalige Schweizer Landesmeister, der mit sechs Jahren mit dem Schach begann und 2016 jüngster FIDE-Meister im Land der Berge wurde, ist in Usbekistan mit seinem Team auf Platz 33 gesetzt. Man wolle also auch unter die Top 30 kommen. „Und persönlich arbeite ich auf den GM-Titel hin.“ Und was ist mit dem Heilbronner SV? „Es wird keine leichte Aufgabe, aber ich denke, dass wir mit etwas Glück einen Platz im vorderen Mittelfeld erreichen können.“ (mw)

Und wer jetzt neugierig geworden ist: hier ist der Link zum Team Schweiz - heute hatte Fabian mit dem Azeri Rauf Mamedov einen echten Gegner und das auch noch mit Schwarz - trotz mehr als 200 Elo-Punkte Vorteil konnte er seine Partie problemlos im Gleichgewicht halten.