Die erste IM-Norm Ruit? „Bis Ende des Jahres möchte ich an den 2400 Elo kratzen.“
Neil Albrecht ist in der Meisterklasse der WEM der Jüngste - und einer mit den größten Ambitionen. Deshalb wechselt der 15-Jährige auch vom SK Sontheim zum Münchner SC. Er will lernen und sich selbst herausfordern.
Den Titel kann er nicht holen, wenn am Montag die Württembergischen Meisterschaften in Ruit beginnen. Ein Wermutstropfen im Freudenkelch des Talents Neil Albrecht aus Gerstetten, der den Jugendplatz im Teilnehmerfeld erhalten hat? Nein, da ist der 15-Jährige sehr klar: „Ich werde trotzdem versuchen, weit vorne mitzuspielen. Dass ich mich nicht qualifizieren kann, ist mir nicht so wichtig, da es mir mehr darum geht, gegen starke Gegner zu spielen und zu versuchen, eine IM-Norm zu erreichen.“ Die Meisterklasse WEM-Masters, das Normenturnier, in dem Neil Albrecht der jüngste Starter ist – einmal mehr stark besetzt, auch mit drei internationalen Großmeistern: Eduardas Rozentialis (2447 Elo), Oleg Korneev (2429) und Petr Velicka (2344) von der SG Schwäbisch Gmünd. Dazu Lena Georgescu, die Schweizerin WGM von den SF Karlsruhe. Enis Zuferi vom Heilbronner SV ist mit 2373 Elo an Nummer drei gesetzt, Neil Albrecht (2322) an Position sieben.
Mit dem Status von vor einigen Wochen hätte Neil in der Sportschule Ruit sogar Meister werden können – aber er hat sich für einen Vereinswechsel und Verbandswechsel entschieden. Vom SK Sontheim ging er zum Münchner SC 1836. Von der Brenz an die Isar. Vom selbst ernannten größten Dorfschachverein Deutschlands in eine Weltstadt.
Im Juli hat er im Viererpokal zum letzten Mal für seinen Verein gespielt, „in dem er eine so beeindruckende Karriere gestartet hat“, wie die Heidenheimer Zeitung anerkennend geschrieben hat. In einem Artikel, in dem auch seine Leistung bei der Jugend-WM im italienischen Montesilvano zu Recht gewürdigt wurde. Nach Rang 42 im Vorjahr erreichte er diesmal bei der Weltmeisterschaft Ende Juni mit sieben Punkten aus elf Runden Platz 26 – punktgleich mit Rang 15. Bester Deutscher in seiner Altersklasse. Das ist mehr als ein Trend, zumal viele Gegner aus Asien mal wieder hoffnungslos unterbewertet waren – man neigt zum Beispiel in Usbekistan (aus dem Land kam der Gegner, der ihm die einzige Niederlage beigebracht hat) dazu, nicht alle Turniere bei der FIDE für die Elo-Wertung zu melden.
Zurück zum Vereinswechsel: Die Entscheidung für München – war eine der Vernunft. Kopf statt Herz? „Natürlich bleibt die Bindung zum SK Sontheim, dem ich sehr viel verdanke, bestehen“, betont er gegenüber Matthias Wolf von svw.info: „Dasselbe gilt übrigens auch für den Württembergischen Schachverband und insbesondere für die GKL.“ Die Gemeinsame Kommission Leistungssport, die ihn gefördert hat. Er werde nach wie vor dem SK Sontheim sehr verbunden bleiben, sagt Neil, die Spielabende regelmäßig besuchen. Aber der Münchner SC hat nun einmal die zweite Bundesliga zu bieten – und in der Liga Jahr für Jahr große Ambitionen. Sontheim – das wäre ein weiteres Jahr Oberliga Württemberg gewesen, wo er vergangenen Saison an Brett eins 4,5 Punkte aus acht Partien geholt hat.
Er will mehr gefordert werden, an seine Grenzen gehen. Das neue Umfeld bietet ihm „natürlich bessere Möglichkeiten wie zum Beispiel sehr starke Gegner und die Möglichkeit, Normen zu erreichen“. Außerdem habe sich der MSC als Verein „super präsentiert und hat sofort begonnen, mich zu unterstützen und in den Verein zu integrieren“ schwärmt Neil Albrecht. Die Eingliederung wird zudem dadurch erleichtert, dass er bereits andere junge Spieler, die für den Verein spielen, seit vielen Jahren kennt: Marius Deuer und Tobias Kölle, auch zwei Top-Talente. Da sind Freundschaften entstanden, die das Heimweh an den Spieltagen lindern werden. Kölle hat ihn sogar bei der Deutschen Meisterschaft 2025, als Neil sich den Titel in der U14 holte, trainiert. Marius Deuer kenne er von verschiedenen Turnieren wie beispielsweise der WM 2025 in Durres.
Nun also Ruit. Was hat er sich vorgenommen? „Gut performen“ wolle er, seine erste IM-Norm erreichen. Wohl wissend, „dass ich dafür sehr weit vorne mitspielen muss“. Perspektivisch peilt er noch ganz andere Ziele an. „Bis Ende des Jahres 2026 möchte ich an den 2400 Elo kratzen und versuchen, Normen zu erspielen“, so Niel Albrecht. 2027 gehört er dann dem älteren Jahrgang der U16 an und möchte sich auch international „weit vorne festsetzen“. Und klar, der Deutsche Meistertitel steht Jahr für Jahr in Willingen auf der Agenda.
Dafür investiert er viel Zeit und Energie. Schach bestimme seine Freizeit, er plane sogar schon eine Erweiterung des Trainingsprogramms. „Aber es bleibt noch Zeit für tägliche Fitnessaktivitäten, um mich auch körperlich fit zu halten.“ Auch in der Sportschule Ruit mit all ihren Möglichkeiten und Sportstätten wird es dafür nach anstrengenden Turniertagen auch genug Gelegenheiten geben. (mw)