2. Problemschachwettbewerb des SVW

Veröffentlicht am: 12.07.2013 von Holger Schröck in: Problemschach-Wettbewerb Drucken

Der Schachverband Württemberg schreibt den 2. SVW-Problemschach- Wettbewerb aus. Es gibt wieder recht attraktive Preisgelder: 1. Preis 100€, insgesamt 250€

Sonderpreise – insbesondere für Hobby-Spieler oder Jugendliche – je nach Beteiligung.

Diesmal geht es um ein möglichst schnelles Idealmatt

Einsendeschluss: 30.11.2013, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Nachstehend finden Sie einige Beispiele zu Sonderfällen und am Ende der Seite die exakten, verbindlichen Wettbewerbsregeln. Dies wurde in der Schachzeitung im Juni veröffentlicht. In den beiden Monaten davor gab es bereits Einfuehrungen in die Aufgabenstellung. (Download als pdf: April, Mai, Juni.)

Idealmatt oder nicht?

Durch stille Hineinziehungsopfer der beiden Springer wird der schwarze König in der folgenden Aufgabe auf das Mattfeld h5 gezwungen. Der Läufer vollendet das Idealmatt.

Aufgabe 1: Peter August d'Orville

Le Palamède, 1838

 

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#5 (5+2)

Die Einleitung ist 1.Sh5! h6 2.Se7 Kh7. Wie kommt es nun zum Idealmatt im fünften Zug? (Übung 1).

Betrachten wir nun zwei Idealmatts in der Brettmitte:

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Das linke Diagramm zeigt die Schlussstellung einer früheren Aufgabe (April 2013, Aufgabe 3). Die weißen Steine nehmen dem schwarzen König jeweils mehrere Felder. Um ein Idealmatt mit möglichst vielen Steinen aufzubauen, wird man jedes Fluchtfeld und das Mattfeld durch einen anderen Stein kontrollieren, wie dies etwa im rechten Diagramm geschieht. Auf diese Weise entstehen Idealmatts mit 10 Steinen.

Fesselungen im Idealmatt

Man könnte zunächst annehmen, dass ein Idealmatt mit mehr als 10 Steinen nicht möglich ist. Dies ist jedoch nicht richtig, weil – wie wir schon gesehen haben – beim Mustermatt und auch beim Idealmatt Fesselungen erlaubt sind, wenn der gefesselte Stein sonst das Schachgebot abwehren könnte:

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Die linke Stellung zeigt eines der Mustermatts einer früher betrachteten Aufgabe (April 2013, Aufgabe 5). Ohne die Fesselung des Bc5 durch den Tc1 könnte cxd4 geschehen. Die rechte Position ist ein Idealmatt, die Endstellung meiner Beispiel-Partie (Mai 2013). Gefesselt sind hier der Sc6 und der Td5. Beide Fesselungen sind für das Matt notwendig.

Bemerkung: Bei Fesselungen eines Blocks wird also die Notwendigkeit des fesselnden Steines, nicht die des gefesselten Blocks hinterfragt. Links könnte sonst der Bc5 entfernt werden, rechts der Td5:

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In beiden Fällen verbleibt eine legale Mattstellung. Die linke könnte durch Sc2-d4#, die rechte durch d4xe5# entstanden sein.

Idealmatt mit Doppelschach

Der Vollständigkeit halber betrachten wir noch ein Beispiel mit Doppelschach im Idealmatt. Ich glaube allerdings nicht, dass ein derartiges Idealmatt beim Wettbewerb sehr hilfreich ist.

Aufgabe 2: Frantisek Havelka

Tyden Pozhlasa, 1942

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h#3* (3+3)

Die Forderung ist ein Hilfsmatt in 3 Zügen (h#3). Der Zusatz * bedeutet, dass es zusätzlich ein sogenanntes Satzspiel zu finden gilt, eine um einen Halbzug kürzere Mattführung, bei dem der jeweils andere beginnt. Beim Hilfsmatt beginnt Schwarz, im Satzspiel also Weiß.

Im Satz folgt 1... La1 2.Sg5 Tb2 3.Kf6 Tb6# (linkes Diagramm). Beachten Sie dabei, dass beim Hilfsmatt generell die schwarzen Züge zuerst notiert werden. In der Lösung folgt hingegen 1.Sh6 Lg3 2.Kf6 Tg2 3.Kg7 Le5# (rechtes Diagramm). Wunderschöne Analogie!

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Die beiden Stellungen zeigen Idealmatts. Das Doppelschach ist jeweils erlaubt, weil es für das Matt notwendig ist. Wichtig ist hingegen, dass dem schwarzen König jedes Flucht-Feld nur aus einem Grunde verwehrt ist.

Quellen

Beide Aufgaben sind aus „Encyclopedia of Chess Problems“ von Milan Velimirovic und Karl Valtonen ([VV], Chess Informant, Belgrad, 2012).

Glossar

#n (August 2011):
Abkürzung für Matt in der angegebenen Anzahl von Zügen (n).
h#n (Februar 2012):
Abkürzung für Hilfsmatt in der angegebenen Anzahl von Zügen (n).
Hilfsmatt (Dezember 2010):
Weiß und Schwarz kooperieren, um den schwarzen König matt zu setzen. Bei Hilfsmatt-Aufgaben beginnt üblicherweise Schwarz.
Hineinziehungsopfer (April 2013):
Opfer, durch welches der gegnerische König auf das Mattfeld gezwungen wird.
Idealmatt (April 2013):
Mustermatt mit kompromissloser Ökonomie: Ausnahmslos alle Steine auf dem Brett müssen am Matt mitwirken.
Mustermatt (März 2013):
Besonders ästhetisches Mattbild. Dem matt gesetzten König ist jedes Feld aus genau einem Grunde verwehrt und – mit eventueller Ausnahme von König und Bauern – wirken alle gegnerischen Figuren mit.

Wettbewerbsregeln

Idealmatt

  1. Ausnahmslos alle weißen und schwarzen Steine auf dem Brett müssen am Matt mitwirken.
  2. Dem matt gesetzten König ist jedes Feld aus genau einem Grunde verwehrt.
  3. Fesselungen sind erlaubt, wenn sie für das Matt notwendig sind. Entsprechendes gilt für Doppelschach.
  4. In Zweifelsfällen sind die in der SchachZeitung (April 2013 bis Juni 2013) gegebenen Beispiele und Erläuterungen zu beachten.

Zielsetzung und Bedingungen

  1. Gesucht ist eine möglichst kurze Partie, die mit einem Idealmatt endet.
  2. Über die Platzierung entscheidet die Länge der Partie (möglichst wenig Halbzüge). Bei gleicher Partie-Länge werden Mattstellungen mit mehr Steinen bevorzugt. Falls nötig, wird noch die Ästhetik des Mattbildes zur Unterscheidung heran gezogen.
  3. Die Partie-Notation soll in Textform erfolgen (also insbesondere nicht als pgn- oder Chessbase-Datei), am besten direkt im Mail-Text.
  4. Einsendeschluss ist der 30.11.2013.
  5. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.