Interview mit Ehrhard Steffen, dem Vorsitzenden des SK Schwäbisch Hall, zum Rückzug aus der Frauen-Bundesliga. Von zu großen Budget-Löchern, fehlender Akzeptanz bei Sponsoren - und warum trotzdem am Samstag gefeiert wird.  

Es war ein harter Schlag für die Frauen-Bundesliga, eine enttäuschende Nachricht – auch für manchen württembergischen Schach-Fan: Ausgerechnet der amtierende Meister, insgesamt vierfacher Titelträger der höchsten DSB-Spielklasse, der SK Schwäbisch Hall, zieht sich aus der Bundesliga zurück. Über die Gründe ist bisher nicht viel bekannt – außer, dass die Reisekosten doch zuletzt arg zu Buche schlugen. Was man ja unter Verzicht auf die vielen ausländischen Topspielerinnen durchaus auch hätte ändern können… Kurzum: Matthias Wolf von svw.info wollte es genauer wissen, warum das Aus ausgerechnet im Jahr des 90. Vereinsbestehens kam, das doch mit dem Meistertitel der Frauen gekrönt werden sollte. Gefeiert wird an diesem Samstag trotzdem in Schwäbisch Hall. Der Vereinsvorsitzende Ehrhard Steffen, seit acht Jahren im Amt, zeigte Größe – und stellte sich auch kritischen Fragen.

Meisterfoto der diesjährigen Saison - ©Thomas Marschner, Schwäbisch Hall


Herr Steffen, wie schwer ist Ihnen dieser Rückzug der Frauen-Bundesligamannschaft nach zwölf Jahren in der Eliteliga gefallen?

Ehrhard Steffen: Zunächst ist uns wichtig hervorzuheben: Wir haben unsere Saisonziele vollständig erreicht.
Das gilt auch für unsere erste Herren-Mannschaft, die als souveräner Meister der Verbandsliga in die Oberliga aufgestiegen ist. Wir haben uns den Rückzug aus der Frauenbundesliga nicht leicht gemacht. Wir haben unseren Spielerinnen jedes Jahr gesagt: Wir entscheiden von Saison zu Saison, ob wir wieder in der Frauen-Bundesliga spielen.

Seit wann ist der Entschluss gereift? Und wann stand er letztlich fest?

Ehrhard Steffen: Unser Entschluss zum Rückzug ergab sich zwangsläufig, als wir wieder das Budget für die kommende Saison entwarfen - und merkten, dass wir für die neue Saison ein Finanzierungsdefizit haben, das wir auch nicht schließen können. In unserer Mitgliederversammlung am 29. Mai haben wir dann die endgültige Entscheidung getroffen. Es herrschte die einhellige Meinung, dass unser Verein keine finanziellen Risiken eingehen darf.

Sie haben den Verzicht auf die Bundesliga in erster Linie mit gestiegenen Logistik-Kosten begründet – aber vermutlich steckt noch mehr dahinter, oder? Inwiefern schlägt zum Beispiel die schwierige wirtschaftliche Lage hierzulande auch bei Ihren Sponsoren zu Buche? Wie ist überhaupt die Sponsoren-Situation in Schwäbisch Hall?

Ehrhard Steffen: In unserem Umfeld gibt es drei Großvereine, die um die Finanzierung ihrer Budgets kämpfen.
Es geht um Fußball, Football und Basketball. Sie gehen letztlich alle auf die gleichen Sponsoren zu. Diesen Sportarten kommt zugute, dass sie weitaus publikumswirksamer sind als Schach.

Nun sagen Kritiker: Sponsoren können sich mit einem Team ohne einheimische Akteurinnen auch schwer identifizieren. Was halten sie entgegen?

Ehrhard Steffen: Das Thema einheimische Spielerinnen war aus unserer Sicht nicht entscheidend für unsere Sponsoren. Wichtig ist immer die gebotene Leistung.

Warum war es für Sie keine Alternative, das Team mit weniger Top-Spielerinnen weiter im Rennen zu lassen? Also bei Antrittsgagen und Reisekosten deutlich einzusparen – und dann gegebenenfalls eben nicht um den Titel mitzuspielen?

Ehrhard Steffen: Ein Mitspielen im Mittelfeld der Tabelle entspricht nicht unserer Denke. Wir sind erfolgsorientiert und haben das in den vergangenen Jahren sehr gut umgesetzt.

Die Reaktionen auf Ihren Verzicht sind nun vielfältig. Sie reichen von Enttäuschung, weil viele Spielerinnen immer gerne gegen Ihre Top-Akteurinnen gespielt haben – bis hin zu grundsätzlicher Kritik am Schwäbisch Haller Konzept, auf ausländische Spielerinnen zu setzen. Wie nehmen Sie das alles wahr?

Ehrhard Steffen: Auf unseren Rückzug sind keine negativen Reaktionen eingegangen. Natürlich wurde die eine oder andere Enttäuschung geäußert. Letztlich haben aber alle verstanden, warum wir uns zurückziehen müssen.

Zweifellos ist es für die Liga aber ein Imageschaden, wenn ausgerechnet der Meister nicht mehr weitermacht, oder wie sehen Sie das?

Ehrhard Steffen: Wie bereits gesagt, haben wir uns die Entscheidung zum Rückzug nicht leicht gemacht. Wir mussten im Interesse unseres Vereins handeln.

Wie geht es nun weiter mit dem Frauenschach beim SK Schwäbisch Hall?

Ehrhard Steffen: Zukünftig werden wir auf unsere Herrenmannschaften und unsere Jugend setzen. Bei Bedarf werden wir die eine oder andere Spielerin in einer Herrenmannschaft einsetzen. Unsere Jugend entwickelt sich gut. Wir werden sie weiter fördern - und damit unserem Verein eine stabile Basis geben.

Sie feiern in diesen Tagen den 90. Vereinsgeburtstag. Was ist hier genau geplant, vornehmlich am 13. Juni? Inwiefern trübt der Bundesliga-Rückzug nun auch Feierlichkeiten?

Ehrhard Steffen: Unseren Vereinsgeburtstag werden wir mit einer Simultanveranstaltung mit einer unserer Spielerinnen und einem gemütlichen Abend feiern - an dem wir natürlich auch ein bisschen in die Vergangenheit schauen, aber mehr in die Zukunft. Der Rückzug unserer Damenmannschaft wird angesichts des deutlichen Votums unserer Mitgliederversammlung unseren Abend nicht belasten.

Zum Abschluss: Was nehmen Sie als Verein und vor allem Martina Meinel – die eine Art Mama des Teams war - aus zwölf Bundesligaspielzeiten mit?

Ehrhard Steffen: Martina und Mario Meinel und die weiteren Teambetreuer haben viele persönliche Freundschaften mit den Spielerinnen geschlossen. Und die bleiben bestehen. Sie sind bereits zu einem Treffen nach Georgien eingeladen worden.