Jugend-WM und World Cup: 
SVW-Talente Neil Albrecht und Lennart Naumann machen bei FIDE-Turnieren auf sich aufmerksam.

Es müssen nicht immer Medaillen errungen werden, damit Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler ins Schwärmen gerät. „Er hat das richtig gut gemacht. Ich war aber nicht wirklich überrascht, denn er hat zuletzt hart gearbeitet und sich das Erfolgserlebnis damit verdient.“ Die Rede ist von Neil Albrecht vom SK Sontheim/Brenz, der bei der FIDE-Jugend-WM in Montesilvano (Italien) unter 155 Teilnehmern in der offenen U16-Klasse Platz 26 erreichte – mit starken sieben Punkten aus elf Partien. Ein zweites Talent musst noch weiter anreisen fürs Schachspiel: Lennart Naumann vom SK Schwäbisch Hall trat beim FIDE-World-Cup in Batumi (Georgien) an und wurde in der U12 mit 6,5 Punkten aus elf Runden bester Deutscher – auf Rang 34. Das reichte zwar nicht für die World-Cup-Finalqualifikation bei diesem vorgeschalteten Turnier, sei aber aller Ehren wert angesichts des stark besetzten Teilnehmerfeldes. „Ich hoffe, das spornt ihn weiter an“, sagte Vökler. 

Bleiben wir zuerst bei Lennart Naumann. Philipp Müller gibt ihm seit 2022 einmal pro Woche Einzeltraining. Er sagt: „Was er in Batumi geschafft hat, ist wirklich bemerkenswert.“ Auch hier: Ein Mix aus harter Arbeit und Leidenschaft fürs Schach. Zum Leidwesen seiner Mutter kam er zurück aus Batumi – und setzte sich gleich wieder an Taktikaufgaben. „Dabei wäre es wichtiger gewesen, dass er für die Schule den Stoff nachholt“, sagt sie. Aber Lennert Naumann ist hier ganz klar: „Ich bin jetzt im Flow, ich muss weitermachen. Schach ist mein Leben“, sagt der Elfjährige und gibt sich ehrgeizig: „Ein paar Punkte mehr hätten es in Batumi schon sein können.“ Das ist der Antrieb eines großen Talents, das seit zwei Jahren zusätzlich zum SVW-Kadertraining auch von David Lobzhanidze trainiert wird.

Philipp Müller, der in Batumi auch DSB-Delegationsleiter war, freute sich, dass sein Schützling den Deutschen Meister U12 Harshill Pradeep aus Hessen sowie den zweimaligen Deutschen Meister (U8, U10) Aadith Ranganathan aus Bayern punktetechnisch hinter sich ließ. „Ich kann sie miteinander vergleichen, weil ich sie alle betreut haben.“ Der auch am Brett stürmische Lennart Naumann habe aber noch eine Schwäche: „Er kennt das nicht, auf Unentschieden zu spielen“, sagt Philipp Müller: „So verzockte er bei der DJEM gegen den Vizemeister U12 Yunqi Li (Schönaich) eine Remis-Stellung, weil er weiter volles Risiko fuhr.“ Müller weiter: „In den Vorbereitungen in Willingen und in Batumi hieß es nicht selten, "hier stehe ich ja total auf Gewinn", obwohl nur der Plan klar war, die Stellungsbewertung objektiv das wirklich nicht hergab.“ Fazit: „Es macht große Freude, Lennart bei seinem Schachleben zu begleiten.“
In Georgien spielte er jedenfalls so stark, dass auch sein Heimatverein Schwäbisch Hall ihm eine Lobeshymne auf der Webseite widmete. Er habe, so der Verein, „ein Abenteuer der besonderen Art erlebt“ und seinen Verein SK Schwäbisch Hall sei „mächtig stolz, so ein Juwel in seine Reihen zu haben. Weiter so Lennart!“

Blicken wir auf die gerade ebenfalls zu Ende gegangene Jugend-WM in Italien und Neil Albrecht, der in der vergangenen Saison für den SK Sontheim/Brenz am ersten Brett 4,5 Punkte aus acht Partien holte. Eine starke Performance in der Oberliga, die auch andere aufmerksam wurde. Nach Informationen von svw.info sorgte das mit dafür, dass Albrecht kommende Saison in der zweiten Bundesliga spielen wird – beim Münchner Schachclub 1836, der in diesem Jahr sogar nur knapp den Aufstieg in die Bundesliga verpasste, sonst wäre es noch eine Etage höher gegangen. In Montesilvano machte Neil Albrecht einmal mehr auf sich aufmerksam. „Ich war gut vorbereitet und letztlich auch ganz zufrieden mit meinem Abschneiden“, sagte er. Bernd Vökler war das fast zu viel Understatement. Der Bundesnachwuchstrainer hat den frisch gebackenen FIDE-Meister, der über die Schach-AG an seiner Schule in Gerstetten einst mit sieben Jahren zum Vereinsschach kam, zuletzt auch vor dem Grenke Open bei einem DSB-Lehrgang in Karlsruhe betreut: „Bei Neil ist eine klare und sehr positive Entwicklung sichtbar. Er hat aus meiner Sicht beste Voraussetzungen, um weit zu kommen.“ Der Heidenheimer Zeitung hatte der 15-Jährige im vergangenen Jahr gesagt, er denke sogar darüber nach, nach dem Abitur mal ein oder zwei Jahre auf Schach zu setzen – das berühmte Schachjahr, das schon manchen Profi geformt hat. (mw)