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Studien
| Inhalt |
|---|
| Aufgaben |
| Lösungen |
J. Letzelter
Diese Studie stellt eine Kombination mehrerer Motive dar. Aber der Reihe
nach:
1.b5+! Kb7 Oder 1.- cxb5 2.Txb5! usw. wie nach dem 3. Zug. 2.bxc6+
Kxc6 3.Tb5! Lomans Zug (1). 3.- Kxb5 4.c4+ Kb4 5.Kc2 Ka3 Moravecs
Erwiderung (2). 6.Kb1 Kb3 7.c5! Letzelter setzt nun noch eins drauf.
7.- bxc5 Auf 7.- a5 (im Sinne von Moravec) folgt natürlich
8.cxb6. 8.g5 und gewinnt. Der Bauer zieht gerade rechtzeitig mit
Schach ein: 8.- a5 9.g6 a4 10.g7 a3 11.g8D+.
(1) In einer Simultanpartie Em. Lasker - Loman, London 1910 (Kg3 Bg2h2h7 -
Kf8 Tc2 Ba6b5b7d5g7) hatte Lasker einen Turm auf f8 geopfert gefolgt von
g6xh7. Die baldige Umwandlung war unvermeidlich. Es folgte aber 1.- Tc3+
2.Kg4? (2.Kf2 war erforderlich) Tc4+ 3.Kg5 Th4! 4.Kxh4 g5+ 5.Kxg5 Kg7 und
Schwarz gewann.
(2) Von J. Moravec stammt folgende Studie (Leipziger Neueste Nachrichten,
1937): Ka3 Tb8 Bb6 - Kd7 Td4 Bc7 Weiß gewinnt. Zunächst die Petite
combinaison à la Lasker 1.Td8+! Kxd8 2.b7 und nun wie Loman 2.- Tb4!
3.Kxb4 c5+ Aber Moravec hat noch einen Konter parat. 4.Kb5! Kc7 5.Ka6! Kb8
6.Kb6 c4 7.a4 c3 8.a5 c2 9.a6 c1D 10.a7#
David Gurgenidze
Das zentrale Thema dieser Studie ist das sogenannte Prokes-Manöver
(1).
1.hxg7! Tg2+! Da 1.- Lxf7? an 2.gxh8D scheitert, versucht Schwarz, den
(Prokes-)Turm h8 als Schlagobjekt loszuwerden. Zu diesem Zweck bietet sich
der zweite ("Prä-Prokes"-)Turm zum Schlag an. 2.Kf1! Auf 2.Kxg2?
folgt 2.- Txh2+! nebst 3.- Lxf7 4.gxf7 Kxf7. Diese Begründung soll
zunächst genügen. Die ganze Wahrheit erfahren wir später.
2.- Tf2+ Der Amoklauf geht munter weiter. 3.Ke1 Te2+ 4.Kd1 Td2+
5.Kc1 Tc2+ 6.Kb1 Tb2+ 7.Ka1 Txa2+ Für den König gibt es kein
Entrinnen. 8.Kb1 Tb2+ 9.Kc1 Tc2+ 10.Kd1 Td2+ 11.Ke1 Te2+ 12.Kf1 Tf2+
13.Kg1 Diese Stellung kommt uns doch irgendwie bekannt vor!? Allerdings
fehlt der weiße a-Bauer ... 13.- Tg2+ 14.Kxg2! Weiß
scheint nun endlich ein Einsehen zu haben. 14.- Txh2+ 15.Kxh2 Lxf7 16.gxf7
Kxf7 Was jetzt? Die weißen Bauern sind erstmal gestoppt und Schwarz
hat selbst zwei verbundenen Freibauern! 17.Sxd7 b3 17.- a3 wird mit
18.Sc5 beantwortet. 18.Se5+ Kxg7 19.Sc4 und gewinnt.
Jetzt verstehen wir, was da passierte. Weiß hat selbst eine Art
Prokes-Manöver durchgeführt, d.h. Schwarz dazu benutzt, den
a-Bauern zu beseitigen, so dass auf a2 kein Schlagen mehr möglich ist.
Hätte nämlich Weiß sofort 2.Kxg2? gespielt, wäre (fast)
alles analog der Lösung gelaufen (2.- Txh2+ 3.Kxh2 Lxf7 4.gxf7 Kxf7
5.Sxd7 b3): 6.Se5+ Kxg7 7.Sc4 mit dem kleinen aber entscheidenden
Unterschied, dass der schwarze Bauer nun noch eine zweite Zugmöglichkeit
hat, die ihm den Gewinn sichert: 7.- bxa2! Auch 6.axb3 hätte nichts
gebracht, da dann das Feld b3 für den Springer blockiert gewesen
wäre: 6.- a3 7.Sc5 a2.
(1) L. Prokes stellte diese Idee erstmals in der 1939 veröffentlichten
Studie dar: Kh5 Tf1 - Kc4 Bd3e3 Weiß hält renis. 1.Kg4! e2 (1.- d2
2.Kf3 Kd3 3.Ta1 e2 4.Ta3+ Kc2 5.Ta2+ Kc1 6.Ta1+ Kb2 7.Kxe2) 2.Tc1+ Kd4 (2.-
Kb3 3.Kf3 d2 4.Tb1+ Kc2 5.Kxe2; 2.- Kd5 3.Kf2 d2 4.Tc5+!) 3.Kf3 d2 4.Tc4+!
Der entscheidende Zug. 4.- Kd3 5.Td4+ Kxd4 6.Kxe2 Kc3 7.Kd1 Kd3 patt.
K.Mamataliev
Die berühmte Saavedra-Stellung (1) ist das Ziel dieser Studie.
1.Sg5! Txg5 2.g4 Txg4 3.Lh6 Nicht 3.Ld6? Tg1+! 4.Ke2 Tf1 5.Kxf1 patt.
3.- Te4+ 4.Le3 Auf 4.Kf1? folgt Tf4+! 4.- Txe3+ 5.Kf2 und
gewinnt nach bekanntem Vorbild: 5.- Te4 6.f8T Th4 7.Kg3.
Auf 1.- Te5+ folgt 2.Kd2 Txg5 3.g4 Txg4 (3.- Td5+ 4.Kc3 Td7 5.Le7) 4.Ld6!
(Hier ist die Wirkung der Läuferzüge genau umgekehrt: 4.Lh6? Td4+!
5.K~ Td8=) Tg2+ 5.Ke3 Tf2! 6.Lf4! und gewinnt.
(1) Kb6 Bc6 - Ka1 Td5 Weiß zieht und gewinnt (Glasgow Weekly Citizen,
1895). Das ist die Stellung, über die schon so viel geschrieben wurde
und die mit dem Namen Saavedra unzertrennbar verbunden ist. Wer kennt schon
G. E. Barbier?! Letztgenannter war aber der eigentliche Komponist (der
zunächst inkorrekten Studie), während Saavedra als Löser
"lediglich" die entscheidende Unterverwandlung fand, die zum Gewinn
führt (Barbier hatte die Stellung für remis gehalten).
Die Lösung: 1.c7! Td6+ 2.Kb5 (2.Kc5? Tc1! nebst 3.- Tc1) Td5+ 3.Kb4 Td4+
4.Kb3 (es geht auch 4.Kc3 Tc1 5.Kc2) Td3+ 5,Kc2 Td4! (Barbier hatte nur
6.c8D? Tc4+ 7.Dxc4 patt gesehen) 6.c8T! (Saavedras Entdeckung) Ta4 7.Kb3 und
gewinnt.
V. Kivi
Das sieht wie ein alltägliches - und für Weiß völlig
verlorenes - Springerendspiel aus. Mal sehen.
1.h7! Kf7 Leicht zum Remis führt 1.- a2 2.Kg8 a1D 3.Se7+ (3.h8D??
Da2+ 4.Kf8 Df7#) K~ 4.h8D. 2.Sd6+ Kf8 3.Sxb5 a2 4.Sd4! Falsch ist
4.Sc3? a1T! 5.Se4 (oder 5.Sb5 Kf7 6.Sc7 Ta7 7.Se8 Td7 8.Sd6+ Kg6) Kf7 6.Sd6
(6.Sg5+ Kg6) Kg6 7.Se8 Ta8 und Schwarz gewinnt tatsächlich. 4.-
a1T Natürlich nicht 4.- a1D?? patt. 5.Se6+ Es scheitert
5.Sc6? Ta6 6.Se7 Kf7 7.Sc8 (oder 7.Sg8 Te6 8.Sh6+ Kg6 9.Sg8 Te1 bzw. 8.Se7
Te1 9.Se8 Kg6) Kg6 8.Kg8 Ta8 sowie 5.Sf5? Kf7 6.Sh6+ Kg6. 5.- Kf7
6.Sd8+ Nicht 6.Sg5+? Kg6 bzw. 6.Sc7? Ta7 7.Se8 Td7 8.Sd6+ Kg6 nebst Matt.
6.- Kg6 7.Kg8 Ta8 8.h8S+! Kf6 9.Shf7. Die Springer decken sich
gegenseitig und Schwarz kann nicht gewinnen. Faszinierend, was in dieser
Stellung steckt, nicht?
Vitaly Halberstadt
Nach den einleitenden Zügen1.f6+! Kh8 2.Ld5 (2.f7? Sf4) gibt es
zwei Varianten:
a) 2.- Sf4 3.Le4 Sg4 4.f7 Sg6+! 5.Lxg6 Sh6 6.f8L! Nur diese Umwandlung
führt zum Erfolg - das Endspiel KLL-KS ist immer gewonnen.
Auf 6.f8D+?? folgt Sg8+! und nach 6.f8T+? Kg7 (6.- Sg8+?? 7.Ke8) ist die
Stellung ebenfalls remis, z.B. 7.Lc2 Sg8+ 8.Ke8 Sf6+ usw. oder 7.Lf7 8.Sf5+
Ke8 9.Sd6+ usw.
b) 2.- Sd4 3.Le4 Sg4 4.f7 Sf5+! 5.Lxf5 Sh6 6.f8T+! Auch hier ist
6.f8D+?? Sg8+! fehl am Platz. Und 6.f8L? geht offensichtlich auch nicht.
6.- Kg7 7.Le6 und gewinnt
Na, ist etwas aufgefallen?? Ein Vergleich der Stellungen aus a) und b) nach
dem 5. Zug von Schwarz ergibt einen klitzekleinen Unterschied in der Position
des weißen Läufers - mit entscheidendem Einfluss auf den
Lösungsverlauf. Halberstadt hat in höchst eleganter Weise die Ideen
von Filaretow (1) und Kubbel (2) kombiniert.
(1) Ke7 Le6 Bf5 - Kh7 Sd1 Bf7 Weiß zieht und gewinnt (Schachmaty
Listok, 1925).
1.f6! Sf2 2.Lxf7 Sg4 3.Lg6+ Kh8 4.f7 Sh6 5.f8L!
(2) Kd5 Le5 Bc5 - Ka7 Se2 Bd7 Weiß zieht und gewinnt (Schachmaty
Listok, 1928).
1.Kd6! Sc1 2.Ld4 Ka8 3.Kxd7 Sb3 4.c6 Sa5 5.c7 Sc6 6.c8T+!
Wassili Smyslow
Smyslow veröffentlichte fast alle seine Studien, bevor er 20 Jahre alt
war. Fast 40 Jahre später befasste er sich erneut mit diesem
Problemzweig und wandte sich seinem Steckenpferd, dem Läuferpaar,
zu.
Noch so ein Endspiel wie aus dem richtigen Leben - wiederum mit einigen
Überraschungen gespickt.
1.f7! Nicht gewinnen kann Weiß nach 1.Lb4? Kd3 2.Ke1 (2.f7 Ld2)
f3 3.gxf3 e2 4.f7 Lf4 oder 1.Le1? Kd3 2.Lxh4 Kd2 3.Le1+ Kd1 4.f7 La3 5.Lc3
Lc5! und Schwarz ist gerettet. 1.- La3 2.Lg7 Reine Zeitverschwendung
bedeutet 2.Lb2? Lf8 3.Ke2 Kd5 4.Lf6 Ke6 5.Lxh4 Kxf7, wonach die Stellung
remis ist. Auch 2.Lf6? Kd3 3.Lxh4 Lc5! bringt nichts. 2.- f3 Schwarz
bereitet eine Pattfalle vor. 3.gxf3 Ein grober Fehler ist 3.f8D? Lxf8
4.Lxf8 e2+ 5.Kxe2 fxg2 und Schwarz ist obenauf. 3.- Kd3 Das Feld c5
muss gedeckt sein, da sonst e2+ folgt. Allerdings führt 4.f8D? zum Patt:
4.- e2+ 5.Kf2 (5.Ke1 Lxf8 6.Lxf8 Ke3 ist Remis.) Lc5+ 6.Dxc5 e1D+ 7.Kxe1.
4.f8L! Sieht eher nach Verzweiflung aus, um nicht zu verlieren. 4.-
e2+ Auf 4.- Lc1 entscheidet 5.Lh6 Ld2 6.Kg2 Le1 7.Lc5 e2 8.Lf2. 5.Kf2
e1D+! 6.Kxe1 Ke3 Und was nun? Nach 7.Lxa3? Kxf3 fallen beide weißen
Bauern mit zwangsläufigem Remis. 7.f4! Noch ein Verzweiflungsakt?
7.- Kxf4 8.Kf2 Lc1 8.Lh6+ Hoppla! Der schwarze Läufer ist
verloren. Weiß behält seinen h-Bauern und gewinnt.
Hätte der schwarze Läufer fliehen können, hätte die
Partie Remis geendet. Schwarz hätte sich von seinem Bauern getrennt, den
König auf h7 postiert und nur noch Züge mit dem Läufer
gemacht, den Weiß nicht hätte fangen können. Tatsächlich
hatte Smyslow zeitgleich eine Zwillingsstudie veröffentlicht, in der das
Remis auf diese Weise sichergestellt wurde: Kf5 Le1 Ba5,c5,d5 - Kc8 Ld4
Ba6,b7,c3. Die Hauptvariante lautet 1.c6! c2 2.Ld2 Lb2 3.d6! bxc6 4.Ke6 c1L!
(4.- c1D 5.d7+ Kc7 6.Lf4+ Dxf4 7.d8D+ Kxd8 patt.) 5.d7+ Kc7 6.d8D+ Kxd8 7.Kd6
c5! 8.Kxc5 Kc7 9.Le1! Remis.

