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Problemschach - Partieschach
"Schachprobleme? Was soll ich damit? Solche Stellungen kommen doch in einer Partie gar nicht vor. Warum mich anstrengen, den Schwarzen kunstvoll in zwei oder drei Zügen mattzusetzen? Bei diesem Materialunterschied hätte er sowieso längst aufgegeben!"
Wer so denkt, hat insofern recht, als es in der Tat blühender Schwachsinn wäre, wollte jemand die Problempositionen in seinem Gedächtnis speichern, um sie gelegentlich künftiger Turnierpartien parat zu haben und die Lösung dann abzurufen. Problemschach ist kein Hilfszweig des Partieschach. Es ist eine selbständige Gattung, vom Partieschach wesensverschieden. Denn: Das Schach-Problem ist ein Produkt, das einem Kopfe entsprungen ist, vom ersten bis zum letzten Zuge vorherbedacht, gewollt, wiederholbar. Die Schach-Partie ist demgegenüber ein Prozess, unwiederholbare geistige Auseinandersetzung, beginnend mit dem ersten Zug des Weißen und endend mit der Kapitulation eines der beiden Gegner (oder mit Remis), unvorhersehbar in Ablauf, zeitlichem Umfang und Ergebnis.
Dies alles heißt freilich nicht, dass der Partieschächer von der Beschäftigung mit Schachproblemen nichts profitieren könnte. Versteckte Opferkombinationen, ungewöhnliche Mattstellungen z.B. wird er erkennen oder jedenfalls rascher erkennen lernen. Aber Sinn und Zweck des Problemschachs liegen auf anderer Ebene: im Entdecken, Darbieten und Empfangen gerade jener Möglichkeiten und Schönheiten unseres Spiels, die während der Partie im Gegeneinander zweier Köpfe und ihrer schachlichen Argumente niemals in Erscheinung treten.


