Schiedsspruch

Veröffentlicht am: 19.06.2018 von Achim Jooss in: Schachbezirk Neckar-Fils » Offizielles Drucken


wegen der Ansetzung eines Entscheidungsspieles zwischen den Mannschaften ... und .... zur Ermittlung des 4. Aufsteigers aus den Kreisligen ES/NT sowie RT/TÜ in die Bezirksliga Neckar/Fils, hat das Bezirksschiedsgericht durch Erich Neuwirth als Vorsitzenden und Thorsten Fischer und Thomas Wiedmann als Beisitzer am 28.05.2018 für Recht erkannt. Die mit Mail vom 29.04.2018 den Vereinen bekanntgemachte Entscheidung der Bezirksspielleitung, für den 13.05.2018 ein Entscheidungsspiel zwischen den Mannschaften...und ...., zur Ermittlung des 4. Aufsteigers in die Bezirksliga anzusetzen, wird endgültig aufgehoben. Die 1. Mannschaft des TSV Grafenberg ist der 4. Aufsteiger in die Bezirksliga Neckar/Fils. Dem Protestführer 1 werden die Protestgebühr zurückerstattet. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet. Über den Protest des Protestführers 2 ist nicht zu entscheiden, da es durch die Entscheidung des Schachbezirkes an der erforderlichen Beschwer mangelt. Dem Protestführer 2 werden die Protestgebühr zurückerstattet. Außergericht
liche Kosten werden nicht erstattet.
1. Sachverhalt Die Parteien streiten darüber, ob das von der Bezirksspielleitung am 29.04. 2018 für den 13.05.2018 angesetzte Entscheidungsspiel zur Ermittlung des 4. Aufsteigers in die Bezirksliga zwischen den Mannschaften der ... (nachstehend ... genannt) und des ... (nachstehend ...  genannt) den Regelungen der Spielordnung des Schachbezirkes Neckar/Fils (nachstehend SO genannt) entspricht. Die Mannschaft des Protestführers 1 belegte in der Saison 2017/2018 in der Kreisklasse ES/NT den 2. Platz und erkämpfte sich dadurch das Recht in einem Entscheidungsspiel mit dem Zweiten der Kreisklasse RT/TÜ den 4. Aufsteiger zu bestimmen. § 2 Abs. 5 SO. In der Kreisklasse RT/TÜ erkämpfte sich dieses Recht die 1. Mannschaft der ... (nachstehend ... genannt). ... sandte jedoch noch am Spieltag dem 29.04.2018 (es war der letzte Spieltag der Kreisklasse) dem Bezirksspielleiter eine Mail des Inhalts, dass sie auf das Aufstiegsspiel, welches vom Bezirksspielleiter mit Mail vom 23.04.2018 auf den 13.05.2018 terminiert worden war, verzichten. Sie hätten das „Endspiel“ gegen die SF Ammerbuch 1 verloren und wären dadurch Tabellenzweiter der Kreisklasse RT/TÜ. Sie blieben gerne in der Kreisklasse, da diese eher ihren Ambitionen entspricht. Daraufhin wandte sich der Bezirksspielleiter, ebenfalls am 29.04.2018, an die ..., deren ... Mannschaft in der Kreisklasse RT/TÜ in der Abschlusstabelle den 3. Platz belegte, mit der Bitte mitzuteilen, ob ... bereit wäre das Entscheidungsspiel gegen ... zu bestreiten, Pfullingen sei nach dem Verzicht von ... der erste Nachrücker. Er führte in dieser Mail auch aus, dass er für den Fall, dass auch ... verzichten sollte, er generell kein Spiel um den Aufstieg durchführen lassen wolle. Er wolle dann ... direkt in die Bezirksliga aufsteigen lassen. Nach positiver Rückmeldung von ..., beraumte der Bezirksspielleiter ein Entscheidungsspiel wie angekündigt mit der Paarung ... gegen ... an. Die beteiligten Vereine informierte er mit Mail vom ebenfalls 29.04.2018. Gegen diese Entscheidung erhob der Protestführer 1 mit am 05.05.2018 eingegangenen Schreiben Protest beim Bezirksschiedsgericht Neckar/Fils. Er trägt vor, dass nach § 2 Abs. 5 der SO ein Entscheidungsspiel um den 4. Aufstiegsplatz zwischen den Zweiten der Kreisklassen ES/NT sowie RT/TÜ
stattzufinden habe. Weitergehende Regelungen bestünden nicht. Infolge des Verzichts der ...auf das Entscheidungsspiel sieht sich der Protestführer als Sieger des Relegationsspieles und somit als Aufsteiger in die Bezirksliga. Weiter führte er aus, der Verweis des Bezirksspielleiters, im Schriftverkehr mit ihm nach der Spielansetzung, auf § 8 Abs. 4 der Wettkampf- und Turnierordnung des Schachverbandes Württemberg e.V. (nachstehend WTO bezeichnet) sei unzutreffend. Dort sei der Verzicht von Aufsteigern geregelt und nicht der Verzicht zur Teilnahme an einem Entscheidungsspiel. Auch wies der Protestführer 1 darauf hin, der Bezirksspielleiter sei Spieler in der Mannschaft der ..., ohne jedoch förmlich eine Befangenheit zu rügen. Der Bezirksspielleiter wurde daraufhin im Wege des abgekürzten Dienstweges vom Gericht gebeten seine Vorgehensweise zu erläutern. In seiner Stellungnahme an das Bezirksschiedsgericht wiederholte er seine Auffassung, dass § 8 Abs. 4 Satz 1 der WTO hier einschlägig und entsprechend auszulegen sei. Rechtsziel von § 8 Abs. 4 S. 1 der WTO sei, auch im Verzichtsfall eine angemessene Berücksichtigung der einzelnen Ligen sicherzustellen. Die Vorschrift gelte daher auch für die Qualifikation zu einem Entscheidungsspiel, was den Dritten der Kreisklasse RT/TÜ zur Teilnahme an einem Entscheidungsspieles berechtige. Für das Hauptsacheverfahren beantrage er, festzustellen, dass die Ansetzung des Entscheidungsspieles um den Aufstieg in die Bezirksliga zwischen Pfullingen 3 und Grafenberg 1 mit der WTO und der SO vereinbar war. Der Bezirksspielleiter solle ermächtigt werden umgehend einen neuen Termin für die Austragung des Entscheidungsspieles festzusetzen. Er sei bei seiner Entscheidung nicht befangen gewesen. Wegen der besonderen Dringlichkeit der Angelegenheit hat das Schiedsgericht entschieden, ohne mündliche Anhörung eine einstweilige Anordnung zu treffen. Im Wege der einstweiligen Anordnung war der vom Bezirksspielleiter festgelegte Termin aufzuheben. Nach summarischer Prüfung könne nicht ausgeschlossen werden, dass seine Entscheidung gegen § 2 Abs. 5 SO verstoße. Im übrigen sei wegen der kurzen Zeitspanne eine Entscheidung in der Hauptsache nicht möglich. Die Entscheidung wurde den Beteiligten mit Datum 06.05.2018 per Einwurfeinschreiben bekannt gegeben. Der Bezirksspielleiter sowie die ... erhielten eine Mehrfertigung.
2. Entscheidungsgründe Der Protest des ... wurde form- und fristgerecht eingelegt, er ist zulässig und begründet. Die gemäß § 2 Nr. 5 SO anzusetzende Paarung der Zweitplatzierten kann nur ...gegen ... lauten. Da ... bereits seinen Verzicht auf die Teilnahme am Wettkampf erklärt hat, steht ... durch einen kampflosen 8:0 Sieg (§ 12 Abs. 3 WTO) als Aufsteiger fest. § 6 der Geschäftsordnung des Schachbezirks Neckar/Fils regelt abschließend die Aufgabenverteilung der Mitglieder der Bezirksleitung. Der Bezirksspielleiter ist danach u.a. für die Durchführung von Mannschaftskämpfen verantwortlich, wozu nach Auffassung des Gerichts auch die Terminierung und Festlegung des Ortes eines Entscheidungsspieles gehört. Nicht in seinen Aufgabenbereich fallen jedoch, von der SO abweichende Entscheidungen zu treffen, wie z.B. die Auswahl der an einem Entscheidungsspiel teilnehmenden Mannschaften. Gemäß § 5 Abs. 2 Fußnote Nr. 4 SO hat zur Ermittlung des 4. Aufsteigers in die Bezirksliga ein Entscheidungsspiel zwischen den Zweiten der Kreisklassen ES/NT und RT/TÜ stattzufinden. Unbestritten Zweiter des Schachkreises ES/NT ist die 1. Mannschaft des..., Zweiter des Schachkreises RT/TÜ die 1. Mannschaft der .... Nur diese Mannschaften können nach der insoweit abschließenden Regelung des  § 5 der SO, Beteiligte eines Entscheidungsspieles sein. Eine vom Wortlaut der SO abweichende Spielansetzung lässt sich nach Auffassung des Gerichtes nicht begründen. Gemäß § 8 Abs. 6 der WTO regeln die Schachbezirke Auf- und Abstieg in den Bezirksligen und darunter in eigener Zuständigkeit. Bereits mit Schiedsspruch vom 10.09.2016 in Sachen Schachverein 23 Böckingen gegen den Schachbezirk Unterland entschied das Verbandsschiedsgericht mit Bezug auf eine Landesliga, dass durch den Zuständigkeitsverweis in der WTO die Vermutung bestehe, „ dass eine auf Bezirksebene ansatzweise bestehende Regelung als abschließend gedacht ist“ es sei zwar möglich Regelungen der WTO zu übernehmen, dies bedürfe jedoch eines ausdrücklichen Rückverweises. So auch Entscheidung des Verbandsschiedsgerichtes vom 13.09.2015 in Sachen Schachclub Kirchheim e.V. gegen den Schachbezirk Neckar/Fils unter Entscheidungsgründe II.2.1 Der in § 9 Abs. 5 der SO enthaltenen allgemeine Hinweis „Im übrigen gilt die WTO des SVW“ stellt nach Auffassung des Gerichts nicht einen solchen Rückverweis dar.
Eine analoge Anwendung von § 8 Abs. 4 WTO zur Bestimmung eines etwaigen Nachrückers für eine verzichtende Mannschaft ist mangels eines expliziten Verweises in der SO nicht zulässig. Es ist zumindest nicht zu widerlegen, dass mit der Regelung in der SO eine beliebige Konstellation von Nachrückern bis zu etwaigen Absteigern aus den Kreisklassen verhindert werden sollte. Folglich ist eine Auslegung am Wortlaut der SO vorzunehmen. Ebenfalls greift hier insbesondere nicht § 2 Nr. 5 letzter Satz der SO. Es liegt keine abweichende Zahl von Ab- oder Aufsteigern als in der hier aufgeführten Tabelle vor. Nicht am Verfahren zu beteiligen war der Protestführer 2. Zwar entscheidet der Ausgang des Verfahrens mit seinen Weiterungen möglicherweise über den Klassenerhalt seiner 2. Mannschaft. Doch hat diese mittelbare Betroffenheit vom Verfahrensausgang nicht das für eine Beteiligung ausreichende rechtliche Gewicht. Das Recht zur Teilnahme am Aufstiegsspiel ist kein originäres Recht des .... Nur für den weiteren hypothetischen Fall eines Sieges von...hätte der ... einen indirekten Nachteil. Jeder rechtlichen Entscheidung ist es innewohnend, dass damit auch Vor- oder Nachteile für andere verbunden sein können. Eine potentielle Kette von Klageberechtigten soll ausgeschlossen werden (vgl. § 42 Abs. 2 VwGO). So auch Entscheidung des Verbandsschiedsgerichtes vom 05.05.2000 in der Schiedssache des TSV Grafenberg gegen die SF Neckartenzlingen unter II. Buchstabe b. Das Gericht weist darauf hin, dass der Bezirksspielleiter förmlich nicht Verfahrensbeteiligter ist, da er keine Vollmacht zur Prozessvertretung besitzt und ihm eine Verfahrensvertretung nach der Geschäftsordnung Neckar/Fils nicht zugebilligt wurde. Dies gilt nach Auffassung des Gerichts auch dann, sollte er vom Gericht gebeten worden sein, seine Vorgehensweise zu erläutern. Seine Rechtsstellung entspricht der eines Rechtspflegers, der Entscheidungen des übergeordneten Amtsrichters (hier des Bezirksschiedsgerichtes), hinzunehmen und Fragen zu beantworten hat. Siehe ständige Rechtsprechung des Verbandsschiedsgerichtes z.B. in Sachen SV Urach gegen Schachkreis Reutlingen u.a. (bzw. Sfr Lichtenstein) vom 02.11.1999, vom 26.04.2000 in Sachen SSG Fils Lauter gegen SV Dicker Turm Esslingen bzw. den Schachbezirk Neckar/Fils sowie vom 05.05.2000 in Sachen TSV Grafenberg gegen die SF Neckartenzlingen.
3. Kostenentscheidung Die Kostenentscheidung ergibt sich aus § 12 Abs. 3 und 5 Schiedsordnung.
R e c h t s b e h e l f s b e l e h r u n g Gegen die Entscheidung des Bezirksschiedsgerichtes ist Berufung gegeben. Die Berufung ist schriftlich in dreifacher Fertigung beim Vorsitzenden des Verbandsschiedsgerichts mit Gründen einzulegen. Im Falle der Fristversäumung gelten die Vorschriften über die Wiedereinsetzung  in den vorigen Stand der Zivilprozeßordnung entsprechend Zugleich ist die Protestgebühr in Höhe von 100,-- € bei der Verbandskasse zu entrichten. Zur Einlegung der Berufung ist derjenige befugt, gegen den sich der Schiedsspruch richtet. Die Frist für die Einlegung der Berufung beträgt 10 Tage . Sie beginnt mit Ablauf des Tages an dem Ihnen diese Entscheidung bekannt gegeben worden ist.

 


Erich Neuwirth Thorsten Fischer Thomas Wiedmann